So sieht die Zukunft des Fahrens aus

NewsSAM

EU-weit soll der durch Pkw verursachte CO2-Ausstoß bis 2030 um 37,5 Prozent zurückgehen. Hauptansatzpunkt: die Umstellung von Verbrenner- auf Elektroautos. Doch ist das überhaupt sinnvoll? Und wie sieht der Verkehr der Zukunft aus?  sam WIEN hat beim Mobilitätsexperten Prof. Thomas Hamacher nachgefragt.

Autonomes Fahren gepaart mit zentraler Ladeinfrastruktur wäre ein Weg für ein neues effizientes Verkehrskonzept.
Autonomes Fahren gepaart mit zentraler Ladeinfrastruktur wäre ein Weg für ein neues effizientes Verkehrskonzept.

Das Elektroauto gilt derzeit als der umweltverträgliche Ausweg aus einem CO2-basierten Individualverkehr – zurecht?

Zunächst einmal muss man zu einer ganzheitlichen Betrachtung kommen, weg von „fünf Liter auf 100 km“, also nicht nur den Betrieb, sondern den ganzen Lebenszyklus ab der Herstellung betrachten. Denn der energetische Aufwand, ein Elektroauto zu bauen, ist größer ist als bei einem Verbrennerfahrzeug, doch kann dieser Nachteil im Betrieb wieder wettgemacht werden.

Elektroautos sind bei der Nutzung des „getankten“ Stromes sehr effizient, aber der Strom muss natürlich erst einmal hergestellt werden, und dies sollte aus erneuerbaren Quellen geschehen. Es gibt jedoch Nachteile beim Elektroauto. Man braucht zur Herstellung des Elektroautos relativ seltene Materialien. Deshalb muss man da schon jetzt Alternativen entwickeln, um sich von denen unabhängig zu machen. Und um die Umweltverträglichkeit noch weiter zu steigern, muss verstärkt die bereits vorhandene Technik wiederverwendet werden.

Ab dem Moment, in dem es autonome Fahrzeuge gibt, kann man sich viele unterschiedliche Wege, die ganz, ganz anders aussehen als unsere Gegenwart, vorstellen.

Prof. Thomas Hamacher

Welche nachhaltigen Alternativen zu Elektroautos gibt es?

Es gibt zwei große Alternativen: Verbrenner, bei denen Benzin durch Bio- bzw. synthetische Kraftstoffe ersetzt wird. Beides ist technisch möglich, jedoch hochgradig ineffizient. Synthetische Treibstoffe werden aber im Flugverkehr eine Rolle spielen oder bei großem, interkontinentalem Schiffsverkehr. Zweite Alternative sind Brennstoffzellenfahrzeuge mit Wasserstoffnutzung. Da ist die Produktionskette schon wesentlich effizienter, aber ich benötige am Anfang Strom zur Erzeugung von Wasserstoff. Da stellt sich dann die Frage, warum man den Strom nicht gleich direkt nutzt. Das macht die Elektromobilität so attraktiv, weil sie die effizienteste Methode ist, unseren Individual-Straßenverkehr umzubauen.

Beim Schwerlastverkehr über längere Strecken sieht das anders aus. Da reden wir heute tatsächlich viel über Wasserstoff oder über Schnellladestationen – was sich durchsetzt, wird sich in den nächsten fünf bis zehn Jahren zeigen.

E-Autos in Österreich (31.01.2023 Quelle BEÖ)
E-Autos in Österreich (31.01.2023 Quelle BEÖ)

Wird der Verkehr der Zukunft so aussehen wie heute, bloß mit Elektro- statt Verbrennerantrieb?

Das ist keineswegs klar. Alternativen beginnen mit dem autonomen Fahren. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir solche Autos in zehn Jahren haben werden, ist ziemlich groß – auch, wenn die Technik derzeit noch viele Probleme hat. Ab dem Moment, in dem es autonome Fahrzeuge gibt, kann man sich viele unterschiedliche Wege, die ganz, ganz anders aussehen als unsere Gegenwart, vorstellen.

Welche wären das?

Ich möchte zwei herausgreifen. Der eine Weg: Das autonome Fahren wird die Grundlage zu einem absolut rationalen, effizienten Verkehr. Mit Robo-Taxis oder Shuttlebussen, die kurze Strecken ganz schnell abdecken können, zum Beispiel von zu Hause zum Bahnhof. Diese Fahrzeuge haben dann eine eigene zentrale Ladeinfrastruktur in Parkhäusern, wohin die Fahrzeuge von selbst fahren, um aufgeladen zu werden. Längere Strecken werden dann eher mit der Bahn zurückgelegt, was rein zeittechnisch heute schon sehr attraktiv ist. Eine andere Alternative ist, dass Menschen viel länger in ihrem Auto sitzen, weil sie schlafen können, fernsehen etc., und das bei zugleich sehr effizientem Verkehr, weil Fahr- und Ladezeiten genau geplant werden. Wenn die Menschen bereit wären, viel weitere Strecken zurückzulegen, hätte dies gewaltige Auswirkungen auf unsere Siedlungsstruktur. Autonomes Fahren wird die Mobilität dramatisch verändern.
Wie bedeutend ist der Beitrag nachhaltiger Mobilität im Kampf gegen die Klimakrise?

Wir reden hier von über 20 Prozent der globalen CO2-Emissionen, die der Verkehr verursacht. Ohne eine deutliche Reduktion dieser Emissionen werden wir nicht weit kommen. Das müssen wir auf alle Fälle hinkriegen.

Michael Brommer

Samariterbund Angebote

Ukraine Hilfe

Ukraine Hilfe

Sam - Samariterbund Magazin

Sam - Samariterbund Magazin

Notrufsysteme

Notrufsysteme

Das könnte Sie auch interessieren

Dr. Gernot Stöglehner (Foto:Christian Fürthner)

Energiewende

Universitätsprofessor Dr. Gernot Stöglehner im Interview über die Möglichkeiten ...

Mo vor der Bücherei

Mo, der Menschenfreund

Seit vier Jahren lebt Mo, der aus dem Iran stammt, in Wien. Seither hilft er anderen Menschen, wo er...

Praktiken und Auswirkungen des weltweiten Müllgeschäfts (Foto: istock)

Geschäfte mit Müll

Der internationale Müllhandel ist ein Milliardengeschäft mit weitreichenden Folgen fü...

Katastrophen-Einsatz Türkei

Im internationalen Katastrophen-Einsatz

Nach dem schweren Beben in der Türkei und in Syrien wurden innerhalb kürzester Zeit Rettun...

Eigentlich gibt es auch viel Schönes zu berichten.

Good News!

Konflikte, Kriege, Katastrophen: In den Medien überwiegen Nachrichten mit negativem Fokus. Dabe...

Plötzlich Stille

Plötzlich still

Rund 200 Tage lang oder eine gefühlte Ewigkeit war es still in den Kunst- und Kultureinrichtung...

Autonomes Fahren gepaart mit zentraler Ladeinfrastruktur wäre ein Weg für ein neues effizientes Verkehrskonzept.

Die Zukunft des Fahrens

EU-weit soll der durch Pkw verursachte CO2-Ausstoß bis 2030 um 37,5 Prozent zurückgehen. ...

Zum Leben gehört mehr als Essen und Trinken. Auch der soziale Kontakt von Mensch zu Mensch ist wichtig. Wer von Armut bedroht ist, dem fehlt häufig die Möglichkeit dafür.

„Essen gehen – das geht sich nicht aus“

Ein Jahr Suppentopf. Das Konzept: Gemeinsam Kochen und dabei Gutes tun. sam WIEN hat sich beim Suppe...

Das kleine Glück von Andreas & Andrea

"Zimmer mit Aussicht“

Glückliche Kindheit, Studium an der WU, steile Berufskarriere, erfüllte Beziehung und zwei...

Aktionen

Freiwilliges Sozialjahr beim Samariterbund

#zeitfürwasgscheits - FSJ beim Samariterbund

Genug mit langweiligem Rumhängen, es ist „Zeit für was g‘scheits“ - n&au...

#samaritergepflegt

#samaritergepflegt

Das Thema Pflege wird derzeit heiß diskutiert. Doch dabei darf es nicht nur ums Geld gehen. Im...

Zivildienst beim Samariterbund

Zivildienst

Etwa 1.400 engagierte junge Männer leisten jährlich ihren Zivildienst beim Arbeiter-Samari...

Kommentare


Schreib einen Kommentar
Wird neben ihrem Kommentar veröffentlicht
Wird nicht geteilt oder veröffentlicht
Die Farben der österreichischen Fahne sind Rot - Weiß - xxx? (3 Buchstaben)