Großes Privileg, dass ich mitfahren durfte - Interview Dr.in Laura Nusko Einsatz Türkei

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Dr.in Laura Nusko (29) ist seit 2015 ehrenamtlich für den Samariterbund in Linz aktiv und hat als Notfallmedizinerin die Katastrophenhilfe-Einheit SA-RRT (Samaritan Austria-Rapid Response Team) beim Erdbeben-Einsatz in der Türkei unterstützt.  sam traf die Oberösterreicherin zum Gespräch.

Die Berufung gefunden: Seit 2019 engagiert sich Dr.in Laura Nusko ehrenamtlich für das „Samaritan Austria – Rapid Response Team“
Die Berufung gefunden: Seit 2019 engagiert sich Dr.in Laura Nusko ehrenamtlich für das „Samaritan Austria – Rapid Response Team“

War die Türkei deine erste offizielle SA-RRT-Mission?

Als Einsatz in einem Erdbebengebiet war es mein erstes Mal. Aber das Aufgabenspektrum unserer Katastrophen­hilfe-Einheit ist sehr breit gefächert. Vor rund einem Jahr bin ich mit Kolleginnen und Kollegen an die ukrainische Grenze gefahren, um den slowakischen Samariterbund bei der medizinischen Versorgung von Kriegsgeflüchteten zu unterstützen. Das war mein allererster offizieller Einsatz für das SA-RRT.

Welche persönlichen Erfahrungen konntest du aus der Türkei mit nach Hause nehmen?

Ich möchte diese Tage um nichts auf der Welt missen. So anstrengend es auch gewesen ist, die Arbeit im Katas­trophengebiet hat mir wieder so richtig bewusst gemacht, warum ich Medizin studiert habe. Ich sehe es als ein großes Privileg, dass ich mitfahren durfte. Ich weiß, dass sich viel mehr für den Einsatz gemeldet haben, als schlussendlich dabei sein konnten, umso dankbarer bin ich, dass gerade ich ausgewählt wurde.

So anstrengend es auch gewesen ist, die Arbeit im Katas­trophengebiet hat mir wieder so richtig bewusst gemacht, warum ich Medizin studiert habe.

Laura Nusko

2019 hast du die SA-RRT-Grundausbildung absolviert. Wie hast du diese Zeit in Erinnerung?

Schon während der beiden Theoriewochenenden habe ich gespürt, dass Katastropheneinsätze genau meins sind. Und als ich dann die große Abschlussübung – einen mehrtägigen, fiktiven Auslandseinsatz – erfolgreich hinter mich gebracht hatte, war ich so glücklich, dass mir sogar die Freudentränen gekommen sind. Die Leidenschaft für das Thema ist mir bis heute geblieben.

Welche Voraussetzungen sollte man mitbringen, wenn man sich ehrenamtlich für das SA-RRT engagieren möchte?

Meiner Erfahrung nach ist die wichtigste Eigenschaft Teamfähigkeit. Ein Einzelkämpfer, eine Einzelkämpferin ist für den SA-RRT-Einsatz nicht geeignet. Wir müssen perfekt zusammenarbeiten, oft unter sehr herausfordernden Bedingungen. Wer in solchen Situationen schnell von anderen genervt ist, ist bei uns wahrscheinlich nicht richtig.

Generell sollte man natürlich auch gut mit physischen und psychischen Belastungen umgehen können. In der Türkei hatten wir zum Beispiel mit Schlafmangel und großer Kälte zu kämpfen. Die Grundausbildung ist aber so ausgelegt, dass die eigenen Grenzen schnell aufgezeigt werden und man gleich merkt, ob man für das SA-RRT geeignet ist oder nicht.

Weil diese Frage immer wieder kommt: Eine medizinische Ausbildung muss man nicht unbedingt mitbringen. Wobei es aber schon so ist, dass ich dank meines Berufes – ich mache gerade die Facharztausbildung zur Anästhesistin – den Umgang mit Extremsituationen eher gewohnt bin. Für jemanden, der nicht in einem Krankenhaus arbeitet, sind Bilder von Verletzten oder gar die Konfrontation mit einem toten Menschen sicher schwieriger zu ertragen.

Hast du in der Türkei das Gefühl gehabt, dass dich eure regelmäßigen Katastrophenübungen ausreichend auf den Ernstfall vorbereitet haben, oder gab es Situationen, die dich überrascht haben?

(lacht) Ja, ich war tatsächlich sehr überrascht, aber eher davon, wie gut ich für den Ernstfall gerüstet war. Natürlich war mir immer klar, wie wichtig die Übungen sind, aber es war dann doch sehr beeindruckend zu erleben, wie nahe die beim Training durchgespielten Szenarien an der Realität sind. Ich hatte bei jeder einzelnen Einsatzsituation das Gefühl, dass ich ausreichend darauf vorbereitet war.

Überrascht, oder besser gesagt sehr berührt, haben mich auch die Reaktionen in der Bevölkerung. Selbst in dieser totalen Ausnahmesituation waren alle sehr gastfreundlich und dankbar. Auch die Zusammenarbeit mit der SARUV (Search and Rescue Unit Vorarlberg, Anm.), mit der wir im Einsatz waren, habe ich als sehr bereichernd in Erinnerung. Wir wurden schnell zu einem eingeschworenen Team.

Welche Situationen waren für dich besonders herausfordernd?

Die langen Wartezeiten habe ich zum Teil als sehr frustrierend erlebt. Bei unserer Verlegung nach Kahramanmaraş sind wir einen halben Tag im Stau gestanden. Man ist ja schließlich am Katastrophenort, um etwas zu tun!

Die Ausbildung beim SA-RRT hört nicht mit der Grundausbildung auf. Es gibt unter anderem die Verpflichtung, vier Mal im Jahr eine Fortbildung zu machen, zusätzlich muss man an Übungen teilnehmen, um für einen Einsatz fit zu sein. Wie viel Zeit investierst du im Laufe eines Jahres für das SA-RRT?

Das ist schwer zu sagen, es gibt stärkere und schwächere Jahre. Aber ich würde schätzen, dass ich rund zehn Wochenenden im Jahr der Katastrophenhilfe widme. Das mache ich aber sehr gern. Mir ist es auch wichtig, dass ich bei den großen Übungen immer dabei bin. Im Herbst steht zum Beispiel die internationale Katastrophenhilfe-Übung EU ModEX in Schweden auf dem Plan – da will ich auf alle Fälle wieder mitmachen. Man lernt schließlich nie aus! ˜

Das Interview führte Franziska Springer

 

Für unsere internationale Ktastrophenhilfe werden ehrenamtliche Spezialist:innen aus diversen Berufsgruppen gesucht. Bei Interesse melden Sie sich für weitere Informationen: www.samariterbund.net/EA-KHD

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