Lachen schafft Distanz zu Sorgen und Ängsten. Es trainiert Muskeln undbaut Stress ab. Somit ist es gerade in Zeiten von Krisen wichtig, dass uns das Lachen trotz allem nicht vergeht.

Viktor Frankl, Begründer der Logotherapie und der Existenzanalyse, war in verschiedenen Konzentrationslagern, unter anderem in Auschwitz. Er hat überlebt. Seine ganzen Verwandten sind umgebracht worden. Selbst dort gab es laut Frankl immer wieder Menschen, die gelacht oder musi-ziert haben. Und das hat Frankl nach-haltig geprägt. „Humor ist die Waffe der Seele im Kampf um ihre Selbsterhaltung“, war einer seiner Leitsprüche, wie Doris Bach zu Beginn des Gespräches betont. Bach ist klinische Psychologin und Psychotherapeutin. Zudem ist sie Lehrbeauftragte an der Universität Wien für das Fach „Humor“ und Präsidentin des CliniClown-Forschungsvereins.
Lachen hilft
Laut Frankl ist Humor die einzige menschliche Fähigkeit, die es auch in einer Krise schafft, für einen kurzen Moment eine Distanz zum Schrecken zu bekommen. Und diese Distanz löst Spannungen und Ängste. Somit wird durch das Lachen Stress reduziert. Sogar schmerzlindernd soll das Lachen sein. Doch dazu etwas später. Zudem ist Humor ein wunderbares Ventil für Wut und Ärger. Man kann laut Bach durch Lachen den Ärger auflösen. Humor als Fähigkeit ist spätestens im Erwachsenenalter eine bewusste Entscheidung. „Es ist so, dass Kinder viel mehr lachen als Erwachsene. Vor allem, weil sie spontan, verspielt und neugierig sind. Zudem fragen sie sich nicht, ob und wann Lachen angebracht ist oder nicht. Sie tun es einfach. Und das ist gut so“, betont Bach. Zwischen 300 und 400 Mal lachen Kinder pro Tag. Erwachsene höchstens 15 bis 20 Mal.

Generell bleibt die Situation immer dieselbe und gleich dramatisch, egal ob man lacht oder nicht. Aber die bewusste Entscheidung zum Humor und für das Lachen tut dem Menschen gut. Durch das Lachen verändert man den Zugang und die Sichtweise zu einem Problem. „Natürlich ist das auch alles in eine gewisse Relation zu setzen. Und gerade in Zeiten des Krieges muss man genau unterscheiden. Lach ich über jemand oder lache ich über eine Situation. Und wenn ich über eine Situation lache, dann erhebe ich mich darüber und erziele eine emotionale Distanz.
„Durch Lachen kann man Ärger auflösen, es reduziert Stress und soll sogar schmerzlindernd sein.“
Die Lachapotheke
Die gelernte Pharmazeutin Nina Fuchs verwandelte ihre Apotheke im 18. Wiener Gemeindebezirk kurzerhand in einen Ort des Lachens. Beim Betreten ertönt Gelächter, auf der Rechnung ist ein lachendes Herz und auch die Mitar-beiter*innen sind betont fröhlich und versuchen den Kund*innen ein Lachen auf den Weg mitzugeben. „In einer Apotheke gibt selten was zu lachen, denn die meisten, die zu uns kommen, haben Schmerzen oder sind krank. Da habe ich mir gedacht: Ich will das ändern“, erzählt Fuchs fröhlich. Da sie von Haus aus eine Frohnatur ist und sich auch als positiven Menschen bezeichnet, hat sie das Lachen in ihre Apotheke gebracht. Ausschlag-gebend war dann schlussendlich ein Seminar, das sie besucht hat. Nach einer Lachyoga-Ausbildung in einer schwierigen Lebensphase hat die Pharmazeutin die Heilkraft des Lachens für sich entdeckt. Und die will sie seit damals an ihre Kund*innen weitergeben. „80 Prozent der Menschen, die zu uns kommen, grinsen zumindest einmal, bis sie die Apotheke wieder verlassen. Und somit haben wir schon was erreicht“, freut sich die Lachapothekerin. Und das auch, weil Lachen einfach ansteckend ist. Zudem ist Fuchs davon überzeugt, dass man Lachen lernen kann. Seit 2016/17 betreibt die umtriebige Pharmazeutin zudem ein Fachzentrum für Coachings und Workshops im Obergeschoss ihrer Apotheke. „Wenn man sich bewusst dafür entscheidet, dann kann man das trainieren und lernen, denn der Körper lässt sich da sehr leicht darauf ein und springt auf das Lachen an.“

Humortraining
Das sieht auch Doris Bach so. Denn Humor ist eine Fähigkeit und Gabe des Menschen. Wir kommen schon damit auf die Welt. Wir lernen schnell zu lachen und zu lächeln. „Je älter wir werden, umso mehr vergeht uns das Lachen. Mit einem mehrstufigen Programm kann man Humor und Lachen wieder vermehrt ins Leben zurückzuholen und sich antrainieren“, ergänzt Bach. Durch das Internet ist eine gewisse Humorqualität auch verwässert worden. Jeder kann schnell irgendwas absondern, das dann mitunter aber unpassend und gar nicht lustig ist. „Oft zielt dies Art von Humor nur auf das Auslachen und Verletzen des anderen ab.“ Der schwarze Humor hin-gegen zählt zu den speziellen Humor-qualitäten. „Kinder können zum Beispiel mit Ironie oder Sarkasmus nicht viel anfangen. Da fehlen gewisse kognitive Fähigkeiten“, ergänzt Bach. Der Mensch braucht im Hirn mehrere Regionen gleichzeitig, um einen Witz verstehen zu können. Das ist laut Bach ein hochkom-plexer Vorgang. Deshalb haben nicht nur Kinder damit Probleme, sondern auch an Demenz erkrankte Menschen.
Medizin für den Körper
„Man spricht von über 80 Muskeln, die beim herzhaften Lachen angeregt werden. Zudem flutscht der Sauerstoff mit bis zu 100 Stundenkilometer durch die Lunge“, erzählt Doris Bach, „Und es ist in Folge dessen eine regelrechte Sauerstoffdusche fürs Gehirn.“ Auch das Herz und das Immunsystem werden dadurch gestärkt. „Wenn wir lachen, wird auch das Gehirn trainiert. Beim Lachen bewegen sich sämtliche Gesichtsmuskeln, das Gehirn erhält die Botschaft, dass alles gut ist. Es verbindet neue Erfahrungen mit alten“, erklärt Bach.Und zu guter Letzt werden beim Lachen Glückshormone ausgeschüttet, unter anderem Serotonin und Oxytocin. Im selben Atemzug ist es auch noch schmerzstillend. Eine hochwirksame Medizin also. Und somit passen Lachen und Humor bestens an einen Ort wie die Apotheke. Denn wie heißt es so schön: „Lachen ist die beste Medizin.“
Georg Widerin
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