Beginnen zu Handeln! Am besten Gestern

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SAM sprach mit Greenpeace-Klimaexpertin Jasmin Duregger über Klima, Klimaschutz und was wir alles tun können, um unseren Teil dazu beizutragen, die Klimakrise in den Griff zu bekommen.

Jasmin Duregger (Foto: Mitja Kobal)
Jasmin Duregger (Foto: Mitja Kobal)

Was versteht man eigentlich unter Klima?

Jasmin Duregger: Unter Klima versteht man langfristige Temperaturen und Wetterereignisse. Wetter ist das, was wir heute beobachten können. Klimaperioden erstrecken sich über ganze Jahrzehnte, Jahrhunderte oder sogar Jahrtausende. Es geht etwa darum, wie warm es durchschnittlich auf der Erde ist, wie es mit Regenereignissen aussieht etc. Das sind die großen Klimaepochen.


Wie definierst du für dich in deiner täglichen Arbeit den Klimaschutz?

Klimaschutz ist etwas sehr menschenzentriertes. Gerade uns Menschen sollte viel daran liegen, unsere jetzige Klimaepoche, das Holozän, zu schützen. Denn als Menschen können wir uns im Holozän am besten entwickeln und Lebensmittel anbauen. Auch die Wetterverhältnisse sind recht stabil. Doch wir merken schon jetzt, was das bedeutet, wenn sich das Klima großflächig verändert. Es bringt volkswirtschaftliche Schäden mit sich, aber auch als Einzelne spüre ich, dass mein Eigentum und meine Lebensgrundlage schwieriger aufrechtzuerhalten sind. Im Sinne der Menschen und der Biodiversität müssen wir alles daransetzen, das Holozän zu erhalten und zu schützen.

Bei Greenpeace sehen wir uns an, wo die klimaschädlichen Treibhausgase wie CO2 oder Methan entstehen. In Österreich entsteht ein Drittel im Verkehr, ein großer Teil im Energiebereich und auch in der Lebensmittelproduktion. All die Emissionen tragen dazu bei, dass sich das Klima auf der Erdoberfläche erwärmt – und das gilt es zu stoppen.

Meine Botschaft ist: Nein, es ist nicht zu spät, aber die Zeit wird knapp.

Jasmin Duregger

Klimaerwärmung, Klimawandel, Klimakrise etc. Was ist richtig, was ist falsch?

Beim Begriff „Klimaerwärmung“ hat man gemerkt, dass Menschen das nicht als Bedrohung wahrnehmen und nicht merken, dass man hier handeln muss. Er ist abstrakt und Erwärmung klingt ja auch nicht so schlecht. Auch „Wandel“ ist neutral bis gut, denn er kann etwas Gutes sein. Also ist man dazu übergegangen, Begriffe zu finden, die es besser beschreiben: Klimakrise und Klimaerhitzung zeigen eindeutig, dass es hier nichts Positives gibt.

Wir lesen Meldungen über Hochwasser, Brände und vieles mehr. Vielen ist bewusst, dass wir das verursachen, andere sagen: „Klimawandel gab es schon immer.“ Wie geht man mit ZweiflerInnen um?

Es gab immer schon unterschiedliche Klimaepochen, aber unsere jetzige existiert seit rund 10.000 Jahren und hat dazu geführt, dass der Mensch sesshaft wurde, man Lebensmittel anbauen konnte und sich die Menschheit allgemein besser entwickelte. Ganz plakativ: Wir wollen nicht „nur“ die Eisbären in der Arktis retten, sondern es muss in unserem eigenen Interesse sein, die Menschheit zu erhalten und entsprechend zu agieren.

Sogenannte KlimaleugnerInnen sieht man in Österreich kaum mehr. Das größere Problem ist, dass alle in die Hände klatschen und Klimaschutz fordern. Die große Frage ist aber die nach der Verantwortung: Wer soll handeln? Soll die Politik handeln, die Unternehmen oder wir als einzelne Personen? Wir oder China? Alle schieben es auf die jeweils anderen. Die Politik sieht die Verantwortung bei den Einzelnen, aber natürlich braucht es auch die Strukturen, die sicherstellen, dass Klimaschutz umsetzbar ist. Diese Diskussionen pressieren heutzutage.

Gerade wurde ein Bericht veröffentlicht, aus dem klar hervorgeht, dass die Temperatur kontinuierlich steigt. Ist es schon zu spät oder geht sich das Gegensteuern noch aus?

Meine Botschaft ist: „Nein, es ist nicht zu spät, aber die Zeit wird knapp.“ Wir kennen das Problem seit mindestens 30 Jahren. Da gab es auch die ersten politischen Vereinbarungen auf internationaler Ebene, konkret das Kyoto-Protokoll. Aber es ist nichts passiert; wir haben – im Gegenteil – die Emissionen noch beschleunigt. Das Gute ist, dass es jetzt tatsächlich in den Köpfen der Menschen angekommen ist und wir bereit sind, die Transformation umzusetzen. Vor ein paar Jahren haben sich die meisten Staaten zum sogenannten 1,5-Grad-Ziel bekannt. Allerdings stehen wir gerade bei 1,1 Grad Celsius. 0,4 Grad haben wir also noch, um das Ziel zu erreichen. Wir müssen am besten gestern damit beginnen zu handeln!

Wenn es um das eigene Leben geht, sind viele Menschen unschlüssig, was zu tun ist. Hast du Tipps, die man einfach umsetzen kann?

Es gibt die drei großen Bereiche Verkehr, Energie und Ernährung, an denen man sich orientieren kann: Das Auto ist definitiv die schlechteste aller Mobilitätsformen. Wenn es die Möglichkeit gibt: am besten das Auto stehen lassen und sich zu Fuß, mit dem Rad oder den öffentlichen Verkehrsmitteln bewegen. Hier muss aber auch die Infrastruktur dafür geschaffen werden. Mein Tipp im Bereich Energie: Stromanbieter wechseln und dabei an den Ökochecks orientieren, die zeigen, welche Anbieter auf fossile Energien verzichten und den Strom aus alternativen Energiequellen beziehen. Der dritte Bereich ist die Ernährung. Speziell tierische Produkte sind in der Produktion sehr energieintensiv. Wenn man also die Chance hat, gilt es, tierische Produkte zu reduzieren. Wir müssen nicht alle zu VeganerInnen werden, aber der Fleischkonsum in Österreich ist im Pro-Kopf-Durchschnitt auch aus gesundheitlichen Gründen zu hoch. Etwas weniger ist also eine Win-Win-Situation.
Zu guter Letzt: Es ist eine Herausforderung für alle, das eigene Leben umzustellen, und viele Menschen glauben, wir müssen – wie auch der Kanzler sagt – zurück in die Steinzeit. Aber so ist es nicht! Wir können unglaublich viel gewinnen, wenn wir handeln und gemeinsam die Klimakrise bewältigen.

Hören Sie das Interview auch auf radio.samariterbund.net

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