Auf Besuch beim Samariterbund Tirol

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Der Samariterbund Tirol ist eine der jüngsten Samariterbund-Organisationen, die gegründet wurde. Und dennoch wird in der schmucken 2016 fertiggestellten Landeszentrale in Kirchbichl der Platz langsam eng, denn der Samariterbund Tirol wächst und gedeiht.

Motorradstaffel Tirol
Motorradstaffel Tirol

Der Samariterbund spielt im Rettungsbereich mittlerweile eine wichtige und gefestigte Rolle in Tirol.

Geschäftsführer Gerhard Czappek

Im „heiligen Land“ Tirol war es nicht immer leicht für den Samariterbund. Zumindest war das lange Zeit so. Aber da steter Tropfen bekanntlich jeden Stein höhlt, hat er sich dennoch gut entwickelt. 2003 von einer Handvoll Menschen gegründet, ist die Samariterbund Landes-GmbH mittlerweile auf eine beachtliche Größe angewachsen. Und das trotz aller Widerstände.

Bruno Acherer ist seit Beginn dabei. Bevor er zum Samariterbund gekommen ist, war er bei der Bergrettung. „Ich bin am Berg aufgewachsen und kenne die Gegend hier wie meine Westentasche“, erzählt der Sanitäter. Bruno ist mit seinen 62 Jahren bereits ein „alter Hase“. Mit seinem großen Erfahrungsschatz steht er jüngeren KollegInnen mit Rat und Tat zur Seite. Denn Bruno ist ein Mann der Praxis. „Aber es kommt immer wieder Neues dazu. Und da sind die Jungen dann besser informiert und bringen mir viel bei. Das ist ein Geben und Nehmen. Und so soll Zusammenarbeit schlussendlich sein.“ Solange er gebraucht wird ist Bruno bereit mitzuarbeiten. Neben seiner Tätigkeit als Sanitäter leitet er auch das Samariterbund-Kriseninterventionsteam.

Landesgeschäftsführer Gerhard Czappek ist ein Mann der ersten Stunde. „Der Samariterbund spielt im Rettungsbereich mittlerweile eine wichtige und gefestigte Rolle in Tirol. In Kooperation mit anderen Organisationen sind wir nicht mehr wegzudenken“, freut sich der Geschäftsführer. Der zweite wichtige Bereich ist laut Czappek die ambulante Familienbetreuung. Auch diese wächst ständig. „Hier leisten wir mit unseren über 100 freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wertvolle Hilfe in Familien, in denen die Erziehung von Kindern und Jugendlichen Schwierigkeiten bereitet und es da und dort kriselt.“ Auch Geschäftsführer Mag. Gerald Fitz zeigt sich vom Einsatz und Zusammenhalt seiner Tiroler Kolleginnen und Kollegen beeindruckt: „Alle ziehen an einem Strang. Es ist immer wieder schön zu sehen, wie das Miteinander und das Wir-Gefühl hier in Tirol gelebt werden.“ Dieser Zusammenhalt geht quer durch. So ist es für Gerald Fitz selbstverständlich, bei einer Einsatzübung, die mit der Fotokamera dokumentiert wird, auch einmal den Verletzten zu mimen.

Motorradstaffel

Ein zusätzliches Bindeglied in der gut ausgestatteten Landeszentrale ist die Motorradstaffel. 2013 hat der Samariterbund damit begonnen, Sanitätsmotorräder einzusetzen. „Damals waren wir die Ersten. Gerade bei diversen Sportveranstaltungen wie Bi- oder Triathlons, Radrennen, Mountainbike-Rennen etc. sind die Motorräder Gold wert“, ergänzt Czappek. Denn wenn es eng wird, sind die Zweiradfahrzeuge zur Stelle. Die Motorräder sind komplett ausgestattet und können schnell Erste Hilfe gewährleisten. Thomas Schwaighofer leitet die Motorradstaffel. Dort wo der Rettungswagen kein Vorwärtskommen mehr findet, ist das Motorrad das ideale Fahrzeug. „Motorräder sind flexibel, schnell und wendig“, so Schwaighofer. Die Staffel besteht aus sieben Maschinen. Drei ältere Modelle und vier neue. Alle Bikes sind mit einer vollständigen Notfallausrüstung ausgestattet. „Das reicht von einem Defibrillator bis zu einer komplett bestückten San-Tasche. Damit können wir jede Not- und Erstversorgung gewährleisten, eine Lageeinschätzung machen und den Patienten bis zum Eintreffen des Rettungswagens oder des Hubschraubers wenn nötig stabilisieren“, führt Schwaighofer weiter aus.

„Wir sind hier so etwas wie ein gallisches Dorf“, lacht Robert Lauf, Rettungsdienstleiter in Kirchbichl. Es habe eine Zeit gedauert, bis man dorthin gekommen ist, wo der Samariterbund Tirol nun ist. Und das trotz der vielen Steine, die dem Samariterbund anfänglich in den Weg gelegt worden sind. „Wir wollten einiges anders und besser machen. Und das war alles andere als leicht.“ Über die Jugendgruppe der Feuerwehr ist Lauf zum Rettungsdienst gekommen. „Mich hat das damals fasziniert, genau da tätig zu werden, wo viel andere aussteigen, weil Panik und Stress überhandnehmen. Genau in so einer Situation Ruhe und Übersicht zu bewahren, ist wesentlich. Und das wollte ich mir genauer anschauen, wie so was funktionieren kann.“ Vor allem die Tatsache, dass man mit relativ wenigen Mitteln das Schicksal eines einzelnen Menschen in eine entscheidende Richtung lenken kann, ist und war für Lauf das Faszinosum des Rettungsdienstes.

Stetiges Wachstum

„Wenn man bedenkt, dass wir 2003 mit exakt fünf Personen begonnen haben, dann ist das durchaus erstaunlich. Heute haben wir in Tirol über 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“, ist Gerhard Czappek sichtlich stolz. Der Rettungs- und Sanitätsdienst ist dem Geschäftsführer sprichwörtlich in die Wiege gelegt worden. Bereits sein Vater war jahrzehntelang Sanitäter. „Mit 15 habe ich eine Entscheidung getroffen. Ich wollte weder Fußball spielen noch Pfadfinder werden. Und jetzt bin ich das 43ste Jahr dabei. Ich habe diese Entscheidung von damals nie bereut.“ Das Privileg, helfen zu können und damit auch noch seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, erfüllt Czappek mit großer Demut. ˜

Thomas Schwaighofer führt uns durch die Landeszentrale Tirol in Kirchbichl

Katastrophenhilfe einmal anders …

Schon von Beginn an hat sich der Samariterbund in Tirol für die Katastrophenhilfe stark gemacht. „Man kann auch als kleine Organisation seinen Teil in der Katastrophenhilfe leisten“, ist Czappek überzeugt, indem er in Absprache mit dem Land Tirol immer wieder innovative Anschaffungen tätigt, die eine Ergänzung zur bestehenden Katastrophenhilfe darstellen sollen. „Diese werden auch großzügig vom Land Tirol gefördert“, führt Czappek weiter aus, „und um alles immer einsatzbereit zu halten, werden Übungen veranstaltet oder wir sorgen dafür, dass diese Anschaffungen bei diversen Sanitätsdiensten passend eingesetzt und somit auch beübt werden können“. Wie zum Beispiel der Neuzugang beim Fuhrpark: Ein Elektro-Quad, auch ATV genannt (All Terrain Vehicle). „Das ist eine Spezialanfertigung, die wir in Auftrag gegeben haben. Und da der Elektroantrieb die Zukunft der Mobilität darstellt, bin ich stolz, dass wir so unseren Beitrag für die Umwelt leisten“, betont Czappek. Dieses allradgetriebene Spezialfahrzeug ist prädestiniert für Bergungen im unwegsamen Gelände. Zudem ist das Fahrzeug klein und wendig. Alles Eigenschaften, die in der Tiroler Bergwelt gefragt sind. Aber auch im Katastropheneinsatz kann das Gerät wertvolle Hilfe leisten. „Wenn wegen eines Unwetters kein Hubschrauber mehr fliegen kann, dann ist das Quad eine wertvolle Hilfe, um Verletze liegend abtransportieren zu können.“

Georg Widerin

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