Es beißt niemand bei uns.

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Claudia K. Gangl ist Künstlerin und arbeitet ehrenamtlich beim Samariterbund Wien mit. Konkret ist sie im Rahmen der Aktion „reden tut gut“ im Einsatz. Diese Aktion will Einsamkeit, die nicht zuletzt durch die COVID-19-Pandemie entstanden ist, lindern.

Claudia K.Gangl
Claudia K.Gangl

Was sind denn Ihre ersten Ein­drücke, die Sie bei den Telefonaten gewinnen konnten?
Mir ist aufgefallen, dass fast nur Frauen anrufen. Offensichtlich trauen sich die eher und sind offener. Manche, die anrufen, gehen davon aus, dass sie hier eine psychologische Beratung bekommen. Da muss man dann gleich festhalten, dass es nur um ein Gespräch geht. Einfach plaudern. So eine Art telefonischer Bassenatratsch, der aber auch Tiefgang haben kann.

Was sind die Themen, die in diesen Telefonaten vorherrschen?

Es sind meist sehr private Geschichten. Eine ältere Frau hat mir erzählt, dass ihr Mann sie betrogen hat. Dann ist er ins Krankenhaus gekommen und es wurde ihm ein Bein amputiert. Das war ein intensives Gespräch. Eine jüngere Frau hat angerufen und gesagt: „Ich bin schizophren, ich möchte nur ein bisschen plaudern.“ Irgendwann hat sie dann plötzlich gesagt: „So, jetzt ist das Essen fertig, tschüss.“ und hat aufgelegt. Und dann war da noch eine Dame, die hat mir erzählt, dass sie besachwaltet ist, und dass das total unfair ist. Also, alles in allem kommen da die unterschiedlichsten Sorgen und Geschichten zusammen. Zudem ruft ein Kollege immer wieder mal an, der das auch macht, und dann fragt: „Hat schon wer angerufen bei dir?“ (lacht)

Wie oft machen Sie das und wie geht es Ihnen nach diesen Telefonaten?

Ich mache das immer am Donnerstag, meist zwischen 16 bis 19 Uhr. Und wenn es emotionale Gespräche sind, dann logge ich mich mitunter auch früher aus. Wenn jemand verzweifelt ist und weint, kann man nicht einfach zur Tagesordnung übergehen und das nächste Telefonat annehmen. Ich bespreche das dann auch öfters mit meinem Partner, wie die Gespräche so waren. Diese Reflexion ist wichtig. Zudem fragt man sich, ob man eh das Richtige gesagt hat und ob die Worte hilfreich waren für die Menschen, die anrufen. Wir sind sehr gut vom Samariterbund eingeschult worden. Generell möchte ich alle, die das Bedürfnis haben, dazu motivieren, anzurufen. „Es beißt niemand bei uns.“

Was ist Ihr persönlicher Antrieb so etwas zu machen?

Das ist ganz einfach: Das Leben besteht aus Geben und Nehmen. Und es ist einfach, ein bisschen Zeit herzugeben für Menschen, die das brauchen und denen das guttut. Es fühlt sich für mich gut und richtig an, so etwas zu tun.

Kommen wir abschließend kurz zu Ihrer Vita. Sie sind Sängerin, Musikerin und bildende Künstlerin. In diesem Kontext ist dann diese Tätigkeit nochmals etwas Besonderes.

So speziell sehe ich das nicht. Denn in den letzten eineinhalb Jahren ist es mir nicht anders ergangen wie vielen anderen Menschen auch. Der persönliche, aber auch berufliche Austausch hat vor allem digital stattgefunden. Über die unterschiedlichsten Kanäle. Und da ist man fast immer nur in seiner Blase. Somit ist es für mich unglaublich spannend und interessant, Menschen kennenzulernen, die ganz woanders herkommen und auch ganz andere Sorgen haben.

Hören Sie das gesamte Interview mit Claudia K. Gangl unter: radio.samariterbund.net

Informationen zur Aktion "reden tut gut" unter: redentutgut.wien

Georg Widerin

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